
Karies im Kindermund
Bakterien und der Biofilm - so entsteht Karies im Kindermund
Vielleicht kennen Sie ja dieses pelzige Gefühl, wenn Sie mit der Zunge über die Zähne gehen. Täglich wird auf der Oberfläche unserer Zähne ein Belag aufgebaut, der es in sich hat: Zahnbelag, Plaque, oder Biofilm genannt. Dieser Belag besteht aus Resten unserer Nahrung, Bestandteilen des Speichels und - aufgepasst - aus lebenden winzigen Organismen. Bakterien, mit der Fähigkeit ausgestattet, eine dauerhafte Beziehung mit unseren Zähnen einzugehen, setzen sich in kürzester Zeit fest. Weitere Bakterien und Keime kommen hinzu und es bildet sich ein weicher Belag, der in diesem Stadium noch mit der richtigen Zahnputztechnik zu entfernen ist. Ohne die regelmäßige Reinigung der Zahnoberflächen und der Zahnzwischenräume beginnt nach spätestens 48 Stunden die kritische Phase für den Zahnschmelz. Aus dem weichen Belag wird eine harte Substanz - der Zahnstein, der nur noch in der Zahnarztpraxis gründlich entfernt werden kann.
Für die Kariesentstehung entscheidend ist das Zusammenspiel von Plaquebakterien und zur Verfügung stehender Nahrung, also Kohlenhydraten, ganz besonders Zucker.
Karies auslösende Bakterien zeichnen sich durch zwei entscheidende Eigenschaften aus: Sie bilden Stoffe, die ihnen ein besonders gutes Anheften an Zahnoberflächen ermöglichen. Deshalb sind sie auch ein wesentlicher Bestandteil des Zahnbelags. Sie nutzen viele Kohlenhydrate zur Energiegewinnung und bilden beim Abbau Säuren als Stoffwechselprodukte. Diese Säuren lösen Calcium und Phosphat aus dem Schmelz heraus. Besonders viel Säure wird gebildet, wenn die Bakterien leicht vergärbare Kohlenhydrate, wie z. B. Saccharose (Haushaltszucker), Glucose (Traubenzucker) und Fructose (Fruchtzucker) für ihren Stoffwechsel nutzen können.
Kennen Sie den Streptococcus mutans?
Das Bakterium Streptococcus mutans spielt bei der Karies eine Hauptrolle. Es kann einfache Zucker zu Säuren abbauen. Es kann aber auch aus Zucker komplexere Kohlenhydratverbindungen aufbauen, die den Keimen selbst als Nahrungsreserve für Zeiten einer geringen Zuckerzufuhr dienen. In diesen Phasen greift es auf sie zurück und baut sie zu Säuren ab. Streptococcus mutans gehört nicht zur ursprünglichen Mundflora. Wie viele andere Erreger wird es von Mund zu Mund übertragen. Infektionsquelle können Mutter, Vater oder auch Großeltern sein. Wenn diese den Schnuller oder Kinderlöffel ablecken, kommt es zur Übertragung der Keime auf den Säugling oder das Kleinkind. Aufgrund des engen Kontaktes zwischen Eltern und Kind ist gerade hier eine Übertragung nicht ganz auszuschließen. Sinnvoll ist deshalb, schon bei den werdenden Müttern und Vätern die Bekämpfung der Keime einzuleiten. Optimal ist, wenn schon zu Beginn der Schwangerschaft alle Zähne entweder gesund oder vollständig saniert wären. Mindestens sollte aber nach Feststellung der Schwangerschaft ein Zahnarzt aufgesucht werden. Dieser kann eventuellen Behandlungsbedarf feststellen und die dringlichsten Behandlungen gleich durchführen. In der Schwangerschaft sollten zwei Zahnarztbesuche mit professioneller Zahnreinigung obligatorisch sein.
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