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Kinderzähne

Milchzähne sind keine Übungszähne.

Die Zahngesundheit von Kindern in Deutschland hat sich über die vergangenen Jahrzehnte stark verbessert. Der größte Teil der Kinder kommt heute kariesfrei ins Schulalter. Zugleich verteilt sich das, was übrig bleibt, sehr ungleich: Ein kleiner Teil der Kinder trägt den Großteil der Karies. Wer früh anfängt, gehört mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht dazu.

Warum Milchzähne zählen

Der Gedanke, Milchzähne fielen ohnehin aus, ist verbreitet und falsch. Sie haben vier Aufgaben, die kein Ersatz übernimmt:

  • Platzhalter. Jeder Milchzahn hält den Raum für seinen Nachfolger frei. Geht er zu früh verloren, kippen die Nachbarzähne in die Lücke, und der bleibende Zahn hat keinen Platz mehr. Eine spätere Zahnspange ist die Folge.
  • Kauen. Ohne funktionierende Backenzähne wird schlechter zerkleinert; das wirkt sich auf die Ernährung aus.
  • Sprechen. Die Frontzähne sind an der Lautbildung beteiligt. Fehlen sie früh, können Lautfehler entstehen.
  • Vorbild für den Knochen. Die bleibenden Zähne entwickeln sich direkt unter den Milchzähnen. Eine tiefe Entzündung an einem Milchzahn kann den Keim des Nachfolgers schädigen.

Dazu kommt ein baulicher Unterschied: Der Schmelz eines Milchzahns ist dünner und weicher als der eines bleibenden Zahns. Karies erreicht den Nerv deshalb deutlich schneller — was klein aussieht, ist oft schon tief.

Karies wird übertragen

Ein Neugeborenes hat keine Kariesbakterien im Mund. Sie kommen von außen, und zwar meist von den Menschen, die dem Kind am nächsten sind: über abgeleckte Schnuller, geteilte Löffel, abgebissene Bissen, Küsse auf den Mund.

Daraus folgt kein Abstandsgebot, sondern eine einfache Reihenfolge: Wer die eigene Mundgesundheit in Ordnung bringt, überträgt weniger. Der beste Zeitpunkt dafür liegt in der Schwangerschaft. Zusätzlich helfen die naheliegenden Regeln — Schnuller nicht ablecken, für das Kind einen eigenen Löffel benutzen, nicht vom gemeinsamen Teller probieren und zurückgeben.

Der häufigste vermeidbare Schaden

Die frühkindliche Karies — früher Nuckelflaschenkaries genannt — entsteht, wenn ein Kind über lange Zeit an einer Flasche mit gesüßtem oder saurem Inhalt nuckelt, besonders beim Einschlafen und nachts. Betroffen sind zuerst die oberen Schneidezähne: braune Ränder, die sich schnell ausbreiten.

Gemeint ist nicht nur Limonade. Auch Saft, Saftschorle, gesüßter Tee und sogar Milch über Stunden wirken so, weil nachts kaum Speichel fließt. Was hilft: Die Flasche gehört zur Mahlzeit, nicht ins Bett und nicht als Dauerbegleiter. Ab etwa einem Jahr lernt das Kind den Becher; zwischen den Mahlzeiten gibt es Wasser oder ungesüßten Tee.

Die Vorsorgereihe

Kinder haben Anspruch auf eine dichte Reihe von Terminen, die die gesetzliche Krankenkasse vollständig trägt:

  • 6. bis 33. Lebensmonat: drei Früherkennungsuntersuchungen, dazu Beratung und ab dem ersten Zahn ein Fluoridlack.
  • 34. bis 72. Lebensmonat: drei weitere Untersuchungen.
  • 6. bis 18. Geburtstag: zweimal jährlich Individualprophylaxe — Anfärben, Mundhygieneunterweisung, Fluoridierung, Befund.
  • Versiegelung der bleibenden Backenzähne nach dem Durchbruch.

Diese Termine sind der wirksamste Teil der gesamten Zahnvorsorge. Sie kosten nichts und werden trotzdem häufig ausgelassen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Milchzähne halten den Platz für die bleibenden Zähne frei. Geht einer zu früh verloren, wandern die Nachbarn — und der Nachfolger findet keinen Platz mehr.
  • Kariesbakterien werden übertragen, meist von den engsten Bezugspersonen. Abgeleckte Schnuller und geteilte Löffel sind die häufigsten Wege.
  • Ab dem ersten Zahn wird geputzt, mit fluoridhaltiger Kinderzahnpasta.
  • Vorsorge ist ab dem sechsten Lebensmonat Kassenleistung — sechs Untersuchungen bis zum sechsten Geburtstag.

Kurz beantwortet

Häufig gestellte Fragen

Ab dem ersten Milchzahn. Eltern reinigen die ersten Zähne ein- bis zweimal täglich mit einer weichen Kinderzahnbürste, später kommt eine Kinderzahnpasta dazu. Wichtig ist, das Kind früh mitmachen zu lassen – so wird Zähneputzen von Anfang an Teil der täglichen Routine.
Nein, dafür fehlt lange die Feinmotorik. Kinder sollten früh selbst putzen, um die Routine zu lernen – gründlich wird es dadurch noch nicht. Bis weit ins Schulalter müssen Eltern unterstützen, vor allem durch regelmäßiges Nachputzen.
So früh wie möglich, am besten schon mit den ersten Milchzähnen. So werden Erkrankungen früh erkannt, und das Kind erlebt den Besuch als normalen Termin. Fallen beim Putzen dunkle Flecken auf, die sich nicht entfernen lassen, gehört das zeitnah in die Zahnarztpraxis.
Kinder haben zunächst keine Angst vor dem Zahnarzt – sie sind vor allem neugierig. Entscheidend ist, dass Eltern eigene Ängste nicht übertragen und den Besuch als etwas Normales behandeln. Ein früher erster Termin, bei dem nur geschaut wird, hilft dabei.
Mit Gesprächen darüber, was ein Zahnarzt tut und was das Kind beim Besuch erwartet. Kinderbücher greifen das Thema einfühlsam und kindgerecht auf. Der Besuch sollte dabei als normaler Termin erscheinen, nicht als etwas Bedrohliches.
Ja, zu einer Kontrolluntersuchung – dort sieht das Kind, wie entspannt ein Termin abläuft. Kündigen Sie das der Praxis vorher an. Zu einer aufwendigen Behandlung oder einer Schmerzbehandlung sollte das Kind dagegen nicht mitkommen.
Grundsätzlich behandeln alle Zahnärzte auch Kinder. Ein auf Kinder spezialisierter Zahnarzt ist vor allem sinnvoll, wenn ein Kind sehr ängstlich ist oder eine umfangreiche Behandlung ansteht. Fragen Sie im Zweifel Ihre Zahnarztpraxis nach einer Empfehlung.