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Karies

Ein Loch ist das Ende einer langen Entwicklung, nicht ihr Anfang.

Karies ist keine Infektion, die man sich einfängt, und kein Schicksal. Sie ist das Ergebnis eines Ungleichgewichts, das über Monate und Jahre besteht: Mehr Mineralien verlassen den Zahn, als zurückkehren.

Der Vorgang

Bakterien im Belag verarbeiten Zucker und geben dabei Säure ab. Der pH-Wert an der Zahnoberfläche fällt. Unterhalb eines Wertes von etwa 5,5 beginnt der Schmelz, Kalzium und Phosphat abzugeben — er wird entkalkt.

Danach beginnt die Gegenbewegung: Speichel neutralisiert die Säure und liefert Mineralien zurück, die sich wieder einlagern. Dieses Hin und Her findet jeden Tag statt, mehrmals. Solange sich beide Richtungen die Waage halten, passiert nichts.

Kippt die Bilanz dauerhaft auf die Seite des Abbaus, entsteht Karies. Dafür genügt kein einzelnes Stück Kuchen. Nötig ist die Häufigkeit: Wer über den Tag verteilt zehnmal etwas Süßes zu sich nimmt, hält den Zahn zehnmal eine halbe Stunde im sauren Bereich — das sind fünf Stunden Abbau am Tag.

Die Stadien

  1. Initialkaries. Ein kreidig-weißer, matter Fleck. Der Schmelz ist entkalkt, aber noch geschlossen. Dieses Stadium ist umkehrbar — mit Fluorid, guter Reinigung und weniger häufigem Zucker kann sich der Schmelz wieder auffüllen.
  2. Schmelzkaries. Die Oberfläche bricht ein, es entsteht ein kleines Loch. Ab hier wird gefüllt; von selbst schließt es sich nicht mehr.
  3. Dentinkaries. Die Karies erreicht das weichere Zahnbein unter dem Schmelz und breitet sich dort schneller aus — oft breiter als das Loch an der Oberfläche vermuten lässt. Empfindlichkeit auf Süßes und Kaltes beginnt.
  4. Nahe am Nerv. Anhaltender Schmerz, Schmerz bei Wärme, Klopfempfindlichkeit. Jetzt geht es um den Erhalt des Zahnnervs, oft um eine Wurzelbehandlung.

Bemerkenswert an dieser Reihe ist, wie spät der Schmerz kommt. Die ersten beiden Stadien verlaufen vollständig beschwerdefrei. Wer wartet, bis etwas wehtut, überspringt genau den Teil, in dem eine einfache Lösung möglich gewesen wäre — und das ist der eigentliche Grund für regelmäßige Kontrolltermine.

Wo sie am häufigsten entsteht

  • In den Fissuren, den Furchen der Kauflächen. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen kurz nach dem Zahndurchbruch.
  • Zwischen den Zähnen. Der häufigste Ort bei Erwachsenen. Mit dem Auge nicht erkennbar — dafür braucht es eine Röntgenaufnahme.
  • Am Zahnhals, wenn das Zahnfleisch zurückgegangen ist. Die freiliegende Wurzeloberfläche hat keinen Schmelz und wird schon bei einem höheren pH-Wert angegriffen als der Zahn darüber.
  • An Rändern von Füllungen, Kronen und Brücken.

Was tatsächlich schützt

  • Fluorid. Die am besten belegte Einzelmaßnahme. Es macht den Schmelz säurebeständiger und fördert die Wiedereinlagerung von Mineralien.
  • Die Zahl der Zuckerkontakte begrenzen. Wirksamer, als die Menge zu reduzieren. Süßes lieber zur Mahlzeit als über den Tag verteilt.
  • Belag täglich entfernen, einschließlich der Zwischenräume.
  • Versiegelung der Kauflächen bei Kindern und Jugendlichen.
  • Zuckerfreier Kaugummi nach dem Essen. Er regt den Speichelfluss an, und Speichel ist der körpereigene Puffer. Xylit hat zusätzlich einen leicht hemmenden Effekt auf die Bakterien.
  • Genug Speichel. Wer unter Mundtrockenheit leidet, hat ein deutlich erhöhtes Risiko und sollte das ansprechen.

Was nicht schützt: Mundspülungen als Ersatz für das Putzen, aufhellende Zahnpasten und der Verzicht auf Fluorid.