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Zucker und Säure

Zehn kleine Naschereien schaden mehr als ein großes Stück Kuchen.

Zucker und Säure schaden den Zähnen auf zwei verschiedenen Wegen. Zucker ist der Rohstoff für die Bakterien, die daraus Säure machen. Säure aus Lebensmitteln braucht diesen Umweg nicht — sie greift den Schmelz unmittelbar an. Beides zusammen ist häufiger, als es scheint: Die meisten Erfrischungsgetränke enthalten beides.

Die Häufigkeit ist die Größe, auf die es ankommt

Nach jedem Zuckerkontakt fällt der pH-Wert an der Zahnoberfläche in den sauren Bereich und braucht etwa 30 Minuten, bis der Speichel ihn wieder neutralisiert hat. In dieser Zeit verliert der Zahn Mineralien; danach kann er sie zurückgewinnen.

Daraus folgt eine Rechnung, die vielen unbekannt ist: Ein Stück Kuchen am Nachmittag ist eine halbe Stunde Säure. Zehn Bonbons über den Tag verteilt sind fünf Stunden. Die Zuckermenge ist im zweiten Fall womöglich geringer, der Schaden deutlich größer.

Die praktische Folgerung ist deshalb nicht Verzicht, sondern Bündelung: Süßes zur Mahlzeit statt zwischendurch, und danach eine Pause, in der nichts nachkommt.

Wo Zucker steckt, wo man ihn nicht vermutet

  • Fruchtjoghurt, Müsliriegel und Frühstücksflocken
  • Fruchtsäfte und Smoothies — sie enthalten Fruchtzucker in gelöster Form und zusätzlich Fruchtsäure
  • Ketchup, Fertigsoßen, Salatdressings, Krautsalat
  • Hustenbonbons und viele flüssige Arzneimittel, besonders bei Kindern
  • Getränke, die als „ohne Zuckerzusatz“ ausgelobt sind und trotzdem Fruchtzucker enthalten

Auf Zutatenlisten erscheint Zucker unter vielen Namen: Glukose, Fruktose, Saccharose, Maltose, Dextrose, Maltodextrin, Sirup, Dicksaft. Für die Bakterien im Mund ist der Unterschied gering; Honig und Rohrzucker sind nicht zahnfreundlicher als Haushaltszucker.

Zuckeraustauschstoffe sind eine echte Alternative. Xylit und Erythrit können von den Kariesbakterien nicht verwertet werden; Xylit hemmt ihren Stoffwechsel sogar. Zuckerfreier Kaugummi mit Xylit nach dem Essen ist eine der einfachsten wirksamen Maßnahmen überhaupt — er regt den Speichelfluss an und verkürzt damit die saure Phase.

Erosion: wenn Säure direkt angreift

Erosion ist kein Kariesvorgang und hat mit Bakterien nichts zu tun. Säure löst den Schmelz flächig auf. Das Ergebnis sieht anders aus als Karies: Der Zahn wird nicht löchrig, sondern dünner. Kauflächen werden flacher und bekommen schüsselförmige Vertiefungen, Frontzähne wirken an den Kanten durchscheinend, die Zähne werden insgesamt empfindlicher.

Woher die Säure kommt

  • Erfrischungsgetränke, Cola und Energydrinks — häufig sehr sauer, unabhängig vom Zuckergehalt
  • Zitrusfrüchte, Säfte und Smoothies
  • Essig und säurehaltige Dressings
  • Wein, besonders Weißwein
  • häufiges Erbrechen, etwa bei Essstörungen oder in der Schwangerschaft
  • Sodbrennen und Reflux — hier wirkt Magensäure, vor allem nachts, meist an den Innenflächen der oberen Frontzähne

Was hilft

  • Saure Getränke nicht über den Tag verteilt trinken, sondern zur Mahlzeit. Mit einem Strohhalm bleibt weniger Kontakt an den Frontzähnen.
  • Danach den Mund mit Wasser ausspülen oder Milch trinken — sie neutralisiert.
  • Nicht sofort putzen. Der Schmelz ist nach einem Säurekontakt kurzzeitig weicher; die Bürste trägt dann zusätzlich ab. Etwa eine halbe Stunde warten.
  • Fluorid anwenden — es härtet die Oberfläche.
  • Bei wiederkehrendem Sodbrennen die Ursache ärztlich klären lassen. Zahnärztlich lässt sich hier nur der Schaden begrenzen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Entscheidend ist, wie oft Zucker in den Mund kommt — nicht wie viel. Jeder Kontakt startet einen Säureangriff von etwa 30 Minuten.
  • Säure aus Getränken und Obst greift den Schmelz direkt an, ganz ohne Bakterien. Das heißt Erosion und ist etwas anderes als Karies.
  • Nach Saurem eine halbe Stunde nicht putzen — der Schmelz ist dann weich und wird von der Bürste zusätzlich abgetragen.
  • Zuckerfreier Kaugummi nach dem Essen regt den Speichel an und verkürzt die saure Phase.

Kurz beantwortet

Häufig gestellte Fragen

Auf den Abstand zwischen den Mahlzeiten. Jeder Zuckerkontakt hält den Zahn etwa eine halbe Stunde im sauren Bereich; erst danach kann der Speichel Mineralien zurückgeben. Wer Süßes zur Mahlzeit isst statt über den Tag verteilt, verkürzt diese Phasen deutlich. Wasser zwischendurch und ein zuckerfreier Kaugummi nach dem Essen helfen zusätzlich.
Nein, aber sie gehören zur Mahlzeit und nicht über den Tag verteilt. Spülen Sie danach mit Wasser nach, und warten Sie mit dem Zähneputzen etwa eine halbe Stunde: Säure macht den Schmelz kurzzeitig weicher, und die Bürste trägt ihn dann zusätzlich ab.
Entscheidend ist nicht die Menge auf einmal, sondern wie oft. Jedes Mal, wenn Zucker in den Mund kommt, sinkt der pH-Wert für etwa eine halbe Stunde in den kritischen Bereich. Zehn kleine Naschereien sind deshalb schädlicher als ein Stück Kuchen.