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Die Zahnfleischentzündung

Vollständig heilbar — und die Vorstufe von etwas, das es nicht ist.

Zahnfleischbluten wird häufig als harmlose Eigenheit betrachtet, gelegentlich sogar als Zeichen gründlichen Putzens. Beides ist falsch. Gesundes Zahnfleisch ist blassrosa, liegt straff am Zahn an, füllt die Zwischenräume spitz aus und blutet nicht — weder bei der Bürste noch bei der Zahnseide noch beim Biss in einen Apfel.

Woran man sie erkennt

  • Blutung beim Putzen oder bei der Zwischenraumreinigung
  • gerötetes, dunkler wirkendes Zahnfleisch
  • geschwollene, abgerundete statt spitze Zahnfleischpapillen zwischen den Zähnen
  • ein Zahnfleischsaum, der sich weich und aufgelockert anfühlt
  • gelegentlich unangenehmer Geschmack oder Mundgeruch

Schmerzen gehören in der Regel nicht dazu. Das ist der Grund, warum viele die Entzündung über Jahre mit sich tragen.

Warum sie entsteht

Bleibt Belag am Zahnfleischrand liegen, reagiert der Körper darauf. Die Abwehr wird aktiv, das Gewebe wird stärker durchblutet, es schwillt an und wird durchlässiger — eine Entzündung im medizinischen Wortsinn. Sie ist zunächst eine sinnvolle Reaktion und wird erst zum Problem, wenn sie nicht mehr aufhört, weil der Reiz nicht verschwindet.

Verstärkt wird das durch Faktoren, die die Reaktion des Gewebes verändern:

  • hormonelle Umstellungen — Schwangerschaft, Pubertät, Zyklus
  • Rauchen (das zugleich die Blutung unterdrückt und damit das Warnzeichen verdeckt)
  • Diabetes, besonders bei schlechter Einstellung
  • Mundatmung, die den Zahnfleischsaum austrocknet
  • einige Medikamente, die eine Wucherung des Zahnfleischs auslösen können
  • Stellen, an denen die Bürste nicht hinkommt: enge Zahnstellungen, überstehende Füllungsränder, Zahnspangen

Was hilft

Die Entzündung verschwindet, wenn der Reiz verschwindet. In der Praxis heißt das: Belag entfernen, auch dort, wo er nicht sichtbar ist. Der entscheidende Punkt ist die tägliche Reinigung der Zahnzwischenräume — Zahnfleischentzündungen beginnen fast immer dort.

Bei ausgeprägtem Befund kommt eine professionelle Zahnreinigung dazu, bei der auch harte Ablagerungen und der Bereich direkt unter dem Zahnfleischrand erfasst werden. Eine Chlorhexidin-Spülung kann für zwei bis drei Wochen unterstützen; sie ist eine Hilfe für die Anfangszeit, keine Dauerlösung und kein Ersatz für die Reinigung.

Die Rückmeldung kommt schnell. Bei täglicher, vollständiger Reinigung geht die Blutung meist innerhalb von ein bis zwei Wochen deutlich zurück. Bleibt sie nach drei Wochen unverändert, gehört der Befund untersucht: Dann liegt entweder eine Stelle vor, die mit den gewählten Hilfsmitteln nicht erreicht wird, oder es ist bereits mehr als eine oberflächliche Entzündung.

Der Übergang zur Parodontitis

Eine Gingivitis betrifft nur das Weichgewebe. Wird sie behandelt, heilt sie folgenlos aus — es geht nichts verloren. Bleibt sie über lange Zeit bestehen, kann die Entzündung in die Tiefe wandern und den Halteapparat des Zahns erfassen: die Fasern, die den Zahn im Knochen befestigen, und den Knochen selbst.

Ab diesem Punkt heißt es Parodontitis, und ab diesem Punkt ist der Schaden bleibend. Nicht jede Gingivitis geht diesen Weg — ob sie es tut, hängt von der Abwehrlage, von der Veranlagung und von Risikofaktoren wie Rauchen und Diabetes ab. Sicher ist nur die Richtung: Ohne Gingivitis entsteht keine Parodontitis.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Gesundes Zahnfleisch blutet nicht — auch nicht beim Putzen und nicht bei der Zahnseide.
  • Eine Gingivitis ist vollständig heilbar. Es geht kein Gewebe verloren, wenn sie behandelt wird.
  • Bei konsequenter Reinigung der Zahnzwischenräume geht die Blutung meist innerhalb von ein bis zwei Wochen zurück.
  • Unbehandelt kann sie in eine Parodontitis übergehen — und die ist nicht mehr umkehrbar.