News FAQs Dental-Lexikon Kontakt

Vorsorge in der Zahnarztpraxis

Mehr als die Zahnreinigung — und ein Teil davon kostet nichts.

Vorsorge in der Zahnarztpraxis ist mehr als die professionelle Zahnreinigung, und ein erheblicher Teil davon ist für gesetzlich Versicherte kostenfrei. Das ist vielen nicht bekannt, weil die Reinigung im Gespräch den größten Raum einnimmt — sie ist die Leistung, über die gesprochen werden muss, weil sie bezahlt werden muss.

Die Kontrolluntersuchung

Erwachsene haben Anspruch auf eine Untersuchung je Kalenderhalbjahr. Dabei werden alle Zähne einzeln inspiziert, Füllungen und Zahnersatz geprüft, die Mundschleimhaut angesehen und der Zustand des Zahnfleischs beurteilt. Auffälligkeiten an der Schleimhaut gehören ausdrücklich dazu — der Mund ist eine der wenigen Stellen des Körpers, die sich vollständig und ohne Aufwand betrachten lassen.

Was eine Kontrolle nicht ist: eine Reinigung. Sie erhebt den Befund. Was daraus folgt, wird danach besprochen.

Der Zahnfleischbefund

Alle zwei Jahre gehört eine Untersuchung des Zahnfleischs dazu, der Parodontale Screening-Index. Mit einer stumpfen Messsonde wird an mehreren Stellen geprüft, wie tief die Furche zwischen Zahn und Zahnfleisch ist und ob sie blutet. Das dauert wenige Minuten und ist die aussagekräftigste Einzeluntersuchung der gesamten Vorsorge — weil eine Parodontitis über Jahre keine Schmerzen macht und deshalb ohne Messung unbemerkt bleibt.

Ergibt der Befund erhöhte Werte, gibt es einen festgelegten Behandlungsweg, den die Krankenkasse trägt: Aufklärungsgespräch, Reinigung der Wurzeloberflächen und eine strukturierte Nachsorge über zwei Jahre.

Röntgen mit Maß

Karies zwischen zwei Zähnen ist mit dem Auge nicht zu sehen, solange sie klein ist. Röntgenaufnahmen schließen diese Lücke, werden aber nicht routinemäßig gemacht, sondern wenn ein Anlass besteht. Der Abstand richtet sich nach dem Kariesrisiko; bei unauffälligem Befund sind mehrere Jahre zwischen zwei Aufnahmen vertretbar.

Für Kinder und Jugendliche

Hier ist die Vorsorge dichter geregelt als bei Erwachsenen, und sie ist vollständig Kassenleistung:

  • Früherkennung ab dem sechsten Lebensmonat bis zum sechsten Geburtstag: sechs Untersuchungen, darunter drei im ersten Lebensjahr. Dazu gehören Beratung der Eltern und ab dem ersten Zahn ein Fluoridlack.
  • Individualprophylaxe vom sechsten bis zum achtzehnten Geburtstag: zweimal im Jahr Mundhygieneunterweisung, Anfärben, Fluoridierung und die Erhebung eines Mundhygienebefunds. Bei erhöhtem Kariesrisiko sind mehr Termine möglich.
  • Versiegelung der bleibenden Backenzähne, sobald sie durchgebrochen sind.

Diese Termine sind der Grund, warum die Kariesbelastung bei Kindern in Deutschland über die vergangenen Jahrzehnte stark gesunken ist. Wer sie ausfallen lässt, verzichtet auf den wirksamsten Teil der Zahnvorsorge überhaupt.

Das Bonusheft

Jeder Kontrolltermin wird eingetragen. Erwachsene brauchen einen Eintrag pro Kalenderjahr, Jugendliche zwischen 12 und 18 zwei pro Jahr. Wer fünf Jahre lückenlos vorweisen kann, erhält bei Zahnersatz einen um 20 Prozent höheren Kassenzuschuss, nach zehn Jahren 30 Prozent. Eine einzige Lücke setzt die Zählung zurück.

Bei Zahnersatz im vierstelligen Bereich ist das ein Betrag, der sich lohnt. Viele Kassen führen das Heft inzwischen auch digital.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Kontrolluntersuchung ist für Erwachsene einmal im Kalenderhalbjahr eine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse.
  • Der Zahnfleischbefund (PSI) gehört alle zwei Jahre dazu. Er ist die wichtigste Einzeluntersuchung der Vorsorge, weil eine Parodontitis lange nicht wehtut.
  • Für Kinder und Jugendliche gibt es eigene Vorsorgereihen: Früherkennung ab dem ersten Zahn, Individualprophylaxe ab dem sechsten Geburtstag.
  • Das Bonusheft senkt später den Eigenanteil bei Zahnersatz. Fünf Jahre lückenlos heißt 20 Prozent mehr Zuschuss, zehn Jahre 30 Prozent.

Kurz beantwortet

Häufig gestellte Fragen

Alles, was verhindert, dass Zähne und Zahnfleisch krank werden: die regelmäßige Kontrolle, die professionelle Zahnreinigung, Fluoridierung und Versiegelung in der Praxis – und die tägliche Mundhygiene zu Hause. Beides zusammen wirkt, eines allein nur wenig.
Zweimal im Jahr ist die übliche Empfehlung. Wer ein erhöhtes Risiko hat – nach einer Parodontitisbehandlung, bei Diabetes, bei trockenem Mund – braucht kürzere Abstände. Den Rhythmus legt die Praxis nach Befund fest, nicht nach Kalender.
Eine kurze Bestandsaufnahme zu Beginn: Wo sitzen Beläge, wo blutet das Zahnfleisch, wie tief sind die Zahnfleischtaschen? Daraus ergibt sich, was zu tun ist – und woran sich beim nächsten Mal messen lässt, ob es gewirkt hat.
Bei Kindern und Jugendlichen von 6 bis 17 Jahren ja: Untersuchung, Anleitung, Fluoridierung und die Versiegelung der bleibenden Backenzähne. Bei Erwachsenen ist die professionelle Zahnreinigung in der Regel eine Privatleistung; manche Kassen geben einen Zuschuss.