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Versiegelung und Fluorid

Zwei Maßnahmen, die den Zahn widerstandsfähiger machen.

Reinigen entfernt, was da ist. Versiegeln und Fluoridieren verändern den Zahn selbst — sie machen ihn weniger angreifbar. Beides sind kurze, schmerzfreie Maßnahmen, und beides gehört bei Kindern und Jugendlichen zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenkasse.

Die Fissurenversiegelung

Die Kauflächen der Backenzähne sind nicht glatt. Sie tragen ein Muster aus Furchen und Grübchen, den Fissuren. Manche sind so eng, dass keine Borste hineinreicht — dort kann Belag liegen bleiben, auch wenn geputzt wird. Dass die Kauflächen die häufigste Kariesstelle bei Kindern sind, hat genau diesen Grund.

Bei der Versiegelung wird die Furche gereinigt, die Oberfläche mit einem Gel aufgeraut, gespült und getrocknet, dann ein dünnflüssiger Kunststoff eingebracht und mit Licht gehärtet. Die Furche ist danach ausgefüllt und glatt. Es wird nichts abgeschliffen und nichts betäubt; der Termin dauert wenige Minuten je Zahn.

Wann und für welche Zähne

Der sinnvolle Zeitpunkt liegt kurz nach dem Durchbruch, weil der frische Schmelz noch nicht vollständig ausgehärtet ist und in dieser Phase besonders empfindlich ist. Die ersten bleibenden Backenzähne kommen etwa mit sechs Jahren, die zweiten mit etwa zwölf.

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Versiegelung der vier bleibenden Backenzähne bis zum 18. Geburtstag. Weitere Zähne — Prämolaren oder tiefe Grübchen an Frontzähnen — sind eine Privatleistung; ob sie nötig ist, entscheidet der Befund.

Wie lange hält sie

Mehrere Jahre, aber nicht unbegrenzt. Sie kann sich teilweise lösen, und eine halb gelöste Versiegelung ist schlechter als keine, weil sich unter dem Rand Belag sammelt. Deshalb wird sie bei jeder Kontrolle mitgeprüft und bei Bedarf ergänzt. Erwachsene brauchen in der Regel keine Versiegelung mehr: Der Schmelz ist ausgereift, und die Furchen sind durch das Kauen abgerundet.

Fluorid in der Praxis

Fluorid ist das wirksamste Einzelmittel gegen Karies, das in der Zahnmedizin verfügbar ist. Es wirkt auf drei Wegen: Es baut sich in die Schmelzoberfläche ein und macht sie widerstandsfähiger gegen Säure, es fördert die Wiedereinlagerung von Mineralien in beginnende Entkalkungen, und es hemmt den Stoffwechsel der Bakterien im Belag.

Entscheidend ist dabei, dass Fluorid örtlich wirkt — auf der Zahnoberfläche, nicht über den Blutweg. Deshalb ist die Zahnpasta die wichtigste Quelle, und deshalb ergänzen Lack und Gel in der Praxis sie, statt sie zu ersetzen.

Lack, Gel und Lösung

  • Fluoridlack ist hoch konzentriert und haftet mehrere Stunden. Er kommt bei Kindern zur Früherkennung und Individualprophylaxe zum Einsatz, an empfindlichen Zahnhälsen und auf beginnende Entkalkungen. Bei Kindern mit erhöhtem Risiko mehrmals im Jahr.
  • Fluoridgel wird in einer Schiene oder mit einem Tupfer aufgetragen. Es gibt Präparate für die Praxis und schwächere für zu Hause, meist einmal wöchentlich.
  • Fluoridlösung zum Spülen ist die schwächste Form und eine sinnvolle Ergänzung für Menschen mit Zahnspange oder erhöhtem Risiko.

Wie viel ist zu viel?

Zu viel Fluorid ist während der Zahnbildung ein Thema, nicht danach. Nimmt ein Kleinkind über längere Zeit deutlich mehr auf als empfohlen, können auf den späteren bleibenden Zähnen weiße Flecken entstehen. Daraus folgt kein Verzicht, sondern eine Mengenangabe: Bei kleinen Kindern eine reiskorngroße, ab dem zweiten Geburtstag eine erbsengroße Menge Zahnpasta — und die Tube außerhalb ihrer Reichweite aufbewahren.

Für erwachsene Zähne besteht diese Gefahr nicht. Wer eine fluoridhaltige Zahnpasta benutzt, zweimal im Jahr einen Lack bekommt und wöchentlich ein Gel anwendet, bewegt sich im vorgesehenen Rahmen.