News FAQs Dental-Lexikon Kontakt

Wie oft zur Zahnreinigung?

Nach Befund, nicht nach Kalender.

„Zweimal im Jahr“ ist die Zahl, die die meisten kennen. Sie ist ein brauchbarer Ausgangswert und keine fachliche Festlegung. Der sinnvolle Abstand ergibt sich aus dem Risiko, und das lässt sich in der Praxis erheben: aus dem Zahnfleischbefund, aus der Zahl und Tiefe der Zahnfleischtaschen, aus der Kariesvorgeschichte und daraus, wie gut die Mundhygiene zu Hause funktioniert.

Fachlich heißt dieses Vorgehen risikoorientiertes Recall. Statt jedem denselben Termin zu geben, wird der Abstand nach Befund gesetzt und bei jeder Sitzung neu bewertet.

Was für kürzere Abstände spricht

Alle drei bis vier Monate ist üblich, wenn mehreres davon zusammentrifft:

  • eine behandelte Parodontitis — hier ist die regelmäßige Nachsorge der Teil, der den Behandlungserfolg hält
  • Zahnfleisch, das trotz sorgfältigem Putzen regelmäßig blutet
  • häufige neue Kariesstellen
  • Implantate, umfangreicher Zahnersatz oder eine feste Zahnspange
  • Diabetes, eine Immunschwäche oder eine Behandlung, die das Immunsystem dämpft
  • Rauchen — es verschlechtert die Durchblutung des Zahnfleischs und verdeckt zugleich das Warnzeichen Blutung
  • starke Mundtrockenheit, etwa als Nebenwirkung von Medikamenten

Was für längere Abstände spricht

Einmal im Jahr kann genügen bei entzündungsfreiem Zahnfleisch, ohne tiefere Taschen, ohne neue Kariesstellen, mit vollständigem eigenem Gebiss und einer Mundhygiene, die auch die Zwischenräume erreicht. Wer wenig Zahnstein bildet — das ist zu einem Teil Veranlagung und hängt an der Speichelzusammensetzung —, braucht seltener eine Reinigung als jemand, bei dem sich innerhalb weniger Monate wieder harte Auflagerungen finden.

Der Rhythmus darf sich ändern

Ein Intervall ist keine Entscheidung fürs Leben. Nach einer Parodontitisbehandlung beginnt man eng und geht bei stabilem Befund auf größere Abstände. In der Schwangerschaft, bei einer neuen Dauermedikation oder wenn eine Zahnspange eingesetzt wird, wird der Abstand vorübergehend kürzer. Wer über Jahre beschwerdefrei bleibt, kann ihn verlängern.

Eine sinnvolle Frage am Ende jeder Sitzung ist deshalb nicht „Wann komme ich wieder?“, sondern „Was hat sich seit dem letzten Mal am Befund geändert?“ Aus der Antwort ergibt sich der Termin von selbst.

Zwischen den Terminen

Was den Abstand am stärksten verlängert, ist nichts, was in der Praxis passiert. Die Reinigung setzt den Ausgangspunkt neu; wie schnell sich der Belag wieder aufbaut, entscheidet sich zu Hause — und dort vor allem in den Zahnzwischenräumen.