Was die Praxis vor der Reinigung misst
Zahlen, die entscheiden, wie oft Sie kommen sollten.
Gute Prophylaxe beginnt mit Messen. Ohne Befund wäre jede Empfehlung geraten — und jedes Intervall dasselbe für alle. Die erhobenen Werte sind einfach zu verstehen, und es lohnt sich, nach ihnen zu fragen: Sie sind die einzige objektive Auskunft darüber, ob sich etwas verbessert.
Taschentiefe und PSI
Zwischen Zahn und Zahnfleisch liegt eine Furche. Beim gesunden Zahnfleisch ist sie ein bis zwei Millimeter tief. Wird sie tiefer, spricht man von einer Tasche: Das Zahnfleisch hat sich vom Zahn gelöst, und der Bereich lässt sich mit einer Bürste nicht mehr erreichen.
Gemessen wird mit einer stumpfen Sonde, die eine Millimeterskala trägt. Der Parodontale Screening-Index fasst das Ergebnis in Stufen von 0 bis 4 zusammen, für jeden von sechs Kieferabschnitten:
- 0 — kein Befund. Keine Blutung, keine erhöhte Tiefe.
- 1 — Blutung auf Sondierung. Eine Zahnfleischentzündung, die vollständig zurückgehen kann.
- 2 — zusätzlich harte Ablagerungen oder ein rauer Füllungsrand.
- 3 — Taschen von 3,5 bis 5,5 Millimetern. Hier beginnt der Verdacht auf Parodontitis.
- 4 — Taschen über 5,5 Millimeter. Behandlungsbedarf.
Die Stufen 0 bis 2 sind mit Reinigung und besserer Mundhygiene beherrschbar. Ab 3 wird geröntgt und ein vollständiger Parodontalstatus erhoben, weil dann geklärt werden muss, wie viel Knochen bereits verloren ist.
Blutung ist das früheste Zeichen
Blutet das Zahnfleisch auf leichte Berührung, ist es entzündet. Das ist keine Auslegungsfrage — gesundes Zahnfleisch blutet nicht, auch nicht beim Putzen. Erfasst wird das als Blutungsindex: der Anteil der untersuchten Stellen, an denen es blutet.
Der Wert ist besonders nützlich, weil er schnell reagiert. Wer seine Zwischenraumpflege ernsthaft ändert, sieht bei der nächsten Sitzung einen deutlich niedrigeren Wert — oft innerhalb von zwei bis drei Wochen. Kein anderer Befund gibt so rasch Rückmeldung.
Belag: der Plaqueindex
Nach dem Anfärben wird gezählt, an wie vielen Stellen Belag liegt, insbesondere in den Zahnzwischenräumen. Daraus entsteht ein Prozentwert. Er hat weniger Aussagekraft über den aktuellen Zustand als die Blutung, dafür zeigt er sehr genau, wo die Technik nicht greift. Meist sind es die Innenflächen der unteren Backenzähne und die Rückseite der letzten Zähne.
Kariesvorgeschichte
Der DMF-T-Wert zählt, wie viele Zähne kariös, gefüllt oder wegen Karies verloren sind. Er beschreibt die Vergangenheit, nicht die Zukunft — aber die Vergangenheit ist der beste verfügbare Hinweis auf das künftige Risiko. Wer in den letzten drei Jahren neue Kariesstellen hatte, gehört in die Gruppe mit erhöhtem Risiko, unabhängig vom Alter.
Ergänzend gibt es Speicheltests: Fließrate, Pufferkapazität und Keimzahl. Sie sind keine Routine, können aber weiterhelfen, wenn jemand trotz guter Mundhygiene immer wieder Karies bekommt.
Wie aus Zahlen ein Intervall wird
Die Praxis fügt die Befunde zusammen und ordnet daraus ein Risiko zu — üblicherweise in drei Stufen. Aus der Stufe folgt der Abstand zur nächsten Sitzung:
- Niedrig: keine Blutung, keine Taschen über 3,5 Millimeter, seit Jahren keine neue Karies. Kontrolle wie vorgesehen, Reinigung etwa jährlich.
- Mittel: einzelne Blutungsstellen oder einzelne tiefere Taschen. Reinigung etwa halbjährlich.
- Hoch: behandelte Parodontitis, mehrere tiefe Taschen, neue Kariesstellen, Rauchen, Diabetes. Nachsorge alle drei bis vier Monate.
Zwei Fragen lohnen deshalb am Ende jeder Sitzung: Welchen Wert hatte ich diesmal, und welchen beim letzten Mal? Wer das mitnimmt, kann selbst beurteilen, ob sich die Mühe zu Hause auszahlt.