Was Zähne krank macht
Fast alles beginnt an derselben Stelle: mit einer Schicht aus Bakterien.
Im Mund leben mehrere hundert Bakterienarten. Das ist kein Mangel an Hygiene, sondern der Normalzustand: Die Mundflora gehört zum Körper wie die Darmflora, sie besetzt Nischen, die sonst Krankheitserreger einnehmen würden, und die meisten ihrer Bewohner richten keinen Schaden an. Probleme entstehen nicht dadurch, dass Bakterien da sind, sondern dadurch, dass einige von ihnen zu viel Ruhe bekommen.
Wie ein Biofilm entsteht
Wenige Minuten nach dem Putzen legt sich ein hauchdünner Film aus Speichelbestandteilen auf die Zahnoberfläche. Er ist unvermeidbar und für sich harmlos. Auf ihm siedeln sich die ersten Bakterien an; sie bilden klebrige Zuckerverbindungen, mit denen sie sich festhalten und an denen weitere Arten andocken.
Was daraus wird, ist keine Ansammlung, sondern eine Struktur. Die Bakterien bauen eine gemeinsame Schutzschicht, verteilen sich in Schichten nach ihrem Sauerstoffbedarf und tauschen Stoffe untereinander aus. Nach etwa zwei bis drei Tagen ist die Gemeinschaft ausgereift und in ihrem Inneren gegen Spüllösungen weitgehend unempfindlich.
Das ist der Grund, warum keine Mundspülung Belag entfernt. Sie erreicht die äußere Schicht; das Innere bleibt unberührt. Ein Biofilm wird mechanisch zerstört — mit Bürste, Interdentalbürste oder Zahnseide — oder gar nicht.
Von weich zu hart
Bleibt der Belag liegen, lagert er Mineralien aus dem Speichel ein und härtet aus. Nach ein bis zwei Tagen beginnt der Vorgang, nach wenigen Wochen ist die Schicht fest. Zahnstein ist selbst nicht krankmachend, aber seine raue Oberfläche ist ein idealer Untergrund für neuen weichen Belag, und dieser liegt dann in direktem Kontakt mit dem Zahnfleisch.
Am meisten Zahnstein bildet sich dort, wo die Speicheldrüsen münden: an den Innenflächen der unteren Schneidezähne und an den Außenflächen der oberen Backenzähne. Wie schnell jemand Zahnstein bildet, ist zu einem erheblichen Teil Veranlagung — die Zusammensetzung des Speichels ist individuell.
Zwei Wege, ein Ursprung
Aus demselben Biofilm entstehen zwei verschiedene Erkrankungen, je nachdem, welche Bakterien sich durchsetzen und wo der Belag liegt:
- Karies entsteht auf der Zahnoberfläche. Bakterien verarbeiten Zucker zu Säure, die Mineralien aus dem Schmelz löst.
- Zahnfleischentzündung und Parodontitis entstehen am Zahnfleischrand und darunter. Hier sind es andere Bakterienarten, und der Schaden entsteht nicht durch Säure, sondern durch die Abwehrreaktion des Körpers auf die Bakterien.
Deshalb schützt dieselbe Maßnahme — den Belag regelmäßig entfernen — vor beidem, und deshalb reicht es nicht, nur die Flächen zu putzen, die man sieht.
Was das Gleichgewicht verschiebt
- Häufige Zuckerzufuhr. Nicht die Menge entscheidet, sondern wie oft. Jeder Kontakt startet einen Säureangriff von etwa 30 Minuten.
- Wenig Speichel. Speichel spült, neutralisiert Säure und liefert Mineralien zurück. Medikamente, Mundatmung und manche Erkrankungen vermindern ihn.
- Rauchen. Verschlechtert die Durchblutung des Zahnfleischs und verschiebt die Bakterienzusammensetzung ungünstig.
- Nischen. Überstehende Füllungsränder, enge Zahnstellungen, Zahnspangen und Zahnersatzränder bieten Schutz vor der Bürste.
- Eine geschwächte Abwehr durch Diabetes, Stress oder Medikamente, die das Immunsystem dämpfen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Zahnbelag ist ein Biofilm: eine geordnete Gemeinschaft von Bakterien in einer selbst gebildeten Schutzschicht. Er lässt sich nicht wegspülen, sondern nur mechanisch entfernen.
- Nach etwa 24 bis 48 Stunden beginnt der weiche Belag auszuhärten. Aus Zahnstein wird er mit keiner Bürste mehr entfernt.
- Karies und Zahnfleischentzündung haben dieselbe Ursache, aber unterschiedliche Bakterien und unterschiedliche Orte.
- Ein Mund ist nie keimfrei und soll es auch nicht sein. Es geht nicht um Vernichtung, sondern um ein Gleichgewicht.
Kurz beantwortet