Mundpflege bei Pflegebedarf
Ein Handgriff, der Lungenentzündungen verhindert.
Wenn jemand seine Zähne nicht mehr selbst pflegen kann, übernimmt das eine andere Person — und die hat es mit einer Aufgabe zu tun, die niemand ihr erklärt hat. Mundpflege gehört zu den Tätigkeiten, die in der häuslichen Pflege am häufigsten zu kurz kommen. Sie ist zugleich eine der wirksamsten.
Warum sie so wichtig ist
Bei Menschen mit geschwächtem Schluckreflex gelangen kleine Mengen Speichel in die Atemwege. Sind darin viele Bakterien, kann daraus eine Lungenentzündung entstehen — eine der häufigsten Todesursachen bei pflegebedürftigen Menschen. Untersuchungen in Pflegeeinrichtungen zeigen übereinstimmend: Wo die Mundpflege verbessert wird, sinkt die Zahl der Lungenentzündungen deutlich.
Dazu kommen Schmerzen, die niemand meldet. Wer sich nicht mehr äußern kann, zeigt einen entzündeten Zahn oder eine Druckstelle anders: durch Nahrungsverweigerung, durch Unruhe, durch Abwehr beim Waschen des Gesichts, durch Zupfen an der Wange. Wer diese Zeichen kennt, sucht im Mund — und findet oft etwas.
So gelingt es praktisch
- Eine feste Zeit und eine feste Reihenfolge. Wiederholung schafft Sicherheit.
- Von hinten oder von der Seite arbeiten, nicht frontal. Den Kopf des Menschen an der eigenen Schulter oder an einem Kissen abstützen — das ist für beide bequemer und gibt bessere Sicht.
- Gutes Licht: eine Lampe oder eine Stirnleuchte. Was man nicht sieht, putzt man nicht.
- Elektrische Zahnbürste, wenn sie angenommen wird. Sie nimmt der Pflegeperson die Bewegung ab.
- Wenig Zahnpasta, bei Schluckstörungen sehr wenig oder ein Gel statt schäumender Paste — Schaum verleitet zum Schlucken.
- Jeden Handgriff ankündigen, auch wenn keine Antwort kommt.
- Nicht alles auf einmal erzwingen. Lieber jeden Tag ein wenig als einmal in der Woche gründlich gegen Widerstand.
Bei Demenz
Das Zähneputzen scheitert hier selten an Verweigerung und meistens daran, dass der Ablauf der Handlung verloren gegangen ist. Die Person weiß nicht mehr, was mit der Bürste zu tun ist. Daraus folgen Techniken, die gut belegt sind:
- Vormachen statt auffordern. Gleichzeitig die eigenen Zähne putzen — das Nachahmen funktioniert oft, wenn Worte nicht mehr greifen.
- Die Bewegung anbahnen: die Hand der Person mit der Bürste führen und dann loslassen. Häufig setzt die Bewegung von selbst fort.
- Kurze, klare Sätze, immer dieselben. Ein Satz pro Handgriff.
- Vertraute Abläufe beibehalten: dasselbe Bad, dieselbe Uhrzeit, dieselbe Zahnpasta.
- Bei Abwehr abbrechen und es später erneut versuchen. Der Widerstand ist Ausdruck von Überforderung oder Schmerz, nicht von Trotz.
- Auf Schmerz prüfen, wenn die Abwehr neu auftritt.
Zahnersatz
Herausnehmbarer Zahnersatz wird täglich mit einer Prothesenbürste und Flüssigseife oder Spülmittel gereinigt, über einem mit Wasser gefüllten Becken. Reinigungstabletten ergänzen, ersetzen aber das Bürsten nicht. Keine Zahnpasta — ihr Abrieb zerkratzt den Kunststoff.
Nachts sollte die Prothese in der Regel heraus, trocken in einer beschrifteten Dose. Die Beschriftung ist im Heim kein Detail: Verwechselte Prothesen sind ein häufiges und schwer zu lösendes Problem.
Auch ein zahnloser Mund braucht Pflege. Kieferkämme, Gaumen und Zunge werden mit einer weichen Bürste oder einem feuchten Tuch gereinigt. Auf der Schleimhaut unter einer Prothese entsteht sonst leicht ein Pilzbefall — erkennbar an geröteten Stellen und weißlichen Belägen.
Worauf zu achten ist
- weiße, abwischbare Beläge auf Zunge oder Gaumen — Verdacht auf Mundsoor
- gerötete Stellen unter der Prothese oder eingerissene Mundwinkel
- wunde Stellen, die länger als eine Woche bestehen
- plötzliche Nahrungsverweigerung oder einseitiges Kauen
- Mundgeruch, der neu auftritt
- eine Prothese, die nicht mehr sitzt
Jeder dieser Punkte gehört zahnärztlich angesehen. Dass jemand pflegebedürftig ist, ist kein Grund, damit zu warten — für genau diese Situationen gibt es eigene Leistungen und den Weg, dass die Praxis ins Haus kommt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Sorgfältige Mundpflege senkt in Pflegeeinrichtungen die Zahl der Lungenentzündungen messbar. Bakterien aus dem Mund werden eingeatmet.
- Bei Demenz scheitert das Zähneputzen meist nicht am Willen, sondern daran, dass der Handlungsablauf verloren geht. Vormachen wirkt besser als Auffordern.
- Herausnehmbarer Zahnersatz wird täglich mit Bürste und Seife gereinigt — nicht mit Zahnpasta und nicht allein mit Reinigungstabletten.
- Schmerzen im Mund äußern sich bei Menschen, die sich nicht mitteilen können, oft als Nahrungsverweigerung oder Unruhe.