Zahnhälse und Wurzelkaries
Die Wurzeloberfläche hat keinen Schmelz — und verzeiht entsprechend wenig.
Ein Zahn besteht aus zwei sehr unterschiedlichen Teilen. Die Krone ist von Schmelz überzogen, dem härtesten Material des Körpers. Die Wurzel nicht — sie trägt nur eine dünne Zementschicht über dem weicheren Zahnbein. Solange das Zahnfleisch sie bedeckt, spielt das keine Rolle. Liegt sie frei, ändert sich die Lage grundlegend.
Warum die Wurzel empfindlicher ist
- Sie löst sich früher auf. Schmelz wird ab einem pH-Wert von etwa 5,5 angegriffen, Wurzeloberfläche schon ab etwa 6,2 — also deutlich früher und damit deutlich häufiger am Tag.
- Sie ist weicher. Karies breitet sich dort schneller aus und flächiger statt in die Tiefe.
- Sie ist empfindlich. Im Zahnbein verlaufen feine Kanälchen bis zum Nerv. Kalt, heiß, süß und sauer werden direkt weitergeleitet.
- Sie liegt schlecht sichtbar. Wurzelkaries wird oft erst spät bemerkt.
Warum das Zahnfleisch zurückgeht
- Zu festes Putzen mit harter Bürste und waagerechten Schrubbbewegungen. Die häufigste Ursache bei Menschen mit ansonsten gesundem Zahnfleisch.
- Eine durchgemachte Parodontitis. Nach erfolgreicher Behandlung geht die Schwellung zurück, und die Wurzel liegt frei — das ist ein Zeichen der Heilung, auch wenn es anders aussieht.
- Dünnes Zahnfleisch als Veranlagung.
- Zähneknirschen und Fehlbelastungen.
- Piercings, die dauerhaft am Zahnfleisch anliegen.
Zurückgegangenes Zahnfleisch wächst nicht von selbst nach. In ausgewählten Fällen lässt es sich chirurgisch decken; das ist aufwendig und nicht überall sinnvoll. Wichtiger ist, den Rückgang zu stoppen — und das gelingt fast immer über die Putztechnik.
Gegen die Empfindlichkeit
- Zahnpasta für empfindliche Zähne mit Kaliumnitrat, Zinnfluorid oder Arginin. Sie braucht zwei bis vier Wochen regelmäßiger Anwendung — wer nach drei Tagen aufgibt, verschenkt die Wirkung. Ein Trick: etwas Paste mit dem Finger auf die empfindliche Stelle geben und einwirken lassen, statt sie gleich wegzuspülen.
- Niedriger RDA-Wert. Aufhellende Pasten mit hohem Abrieb sind hier die falsche Wahl.
- Weiche Bürste, wenig Druck, auswischende statt schrubbende Bewegungen.
- Fluoridlack in der Praxis — er verschließt die Kanälchen und wirkt oft sofort.
- Säure begrenzen. Obstsäfte, Limonaden und Essig öffnen die Kanälchen wieder.
- Nach Saurem nicht putzen, eine halbe Stunde warten.
Bleibt der Schmerz trotz allem oder wird er stärker, gehört das untersucht. Anhaltende Empfindlichkeit kann auch von einem Riss, einer undichten Füllung oder einer beginnenden Karies kommen.
Vorbeugung gegen Wurzelkaries
Hier zählt Fluorid in höherer Konzentration, weil die Oberfläche anfälliger ist:
- Eine Zahnpasta mit 1.400 bis 1.500 ppm als Grundlage.
- Ein Fluoridgel einmal wöchentlich, abends nach dem Putzen, danach nichts mehr essen oder trinken.
- Bei hohem Risiko eine Zahnpasta mit 5.000 ppm auf Rezept. Sie ist für genau diese Situation gemacht.
- Fluoridlack in der Praxis, mehrmals jährlich.
- Die Zahnhälse gezielt reinigen — mit Interdentalbürsten passender Größe, die auch die eingezogenen Flächen der Wurzel erreichen.
- Für Speichel sorgen: trinken, zuckerfreier Kaugummi, Mundtrockenheit ansprechen.
Ist bereits Wurzelkaries entstanden, wird sie gefüllt. Das ist anspruchsvoller als eine Füllung an der Krone, weil die Stelle oft am Zahnfleischrand liegt und schwer trocken zu halten ist. Je früher sie gefunden wird, desto einfacher — noch ein Grund für kurze Kontrollabstände.